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Raffi Rafayelyan, ca. 10 Jahre,
mit seinem Vater unterwegs im Zug von Eriwan
nach Gjumri

Stempel, den die Künstlerin vor Ort herstellen
lassen hat



Train Ofiice: Was ist Glück* (für Dich)?

Barbara Karsch-Chaïeb


(english).Glück ist vielleicht ein ganz banaler Begriff, romantisch verklärt, kitschig und emotional, völlig unscheinbar. Aber – ist das wirklich so? Wollen wir nicht alle Glück haben, verbinden Glück mit Liebe, angenehmen Gefühlen und Besitz? Was machen wir, wenn wir vermeintlich kein Glück haben? Sind wir unglücklich und träumen von einem besseren Leben!?

Barbara Karsch-Chaïeb war im Jahr 2015 für einige Wochen in Armenien/ Eriwan bei der Organisation ACOSS als AIR – Artist in Residence. Dort hatte sie die Möglichkeit, an dem Projekt IN MOTION, initiiert von 2 Kuratorinnen (Charlotte Poulain und Anna Gargarian) der HAYP POP UP Gallery, teilzunehmen. HAYP POP UP Gallery ist eine Galerie/ Institution ohne festen Ort, sie suchen ihr Glück bei und mit den Menschen, mit denen sie zusammen arbeiten.

Das Projekt fand im Zug (Partner: South Caucasus Railway) von Eriwan, der Hauptstadt Armeniens nach Gjumri, der 2. größten Stadt Armeniens, und zurück, von Gjumri nach Eriwan innerhalb von 4 Tagen statt. Teilgenommen haben zahlreiche Künstlerinnen und Künstler mit Performances, Installationen, Zeichnungen, Fotografien und weiteren Aktionen.

Bereits ein paar Tage nach Ihrer Ankunft in Eriwan wurde die Künstlerin eingeladen, an dem Projekt IN MOTION teilnehmen, Sie hat sich auf eine frühere Arbeit besonnen, die sie im Jahr 2010 durchgeführt hat. In Stuttgart wurden zahlreiche Menschen auf der Straße interviewt und gefragt: „Was ist Glück für Dich?“ Daraus ist ein Kurzfilm entstanden, der unter anderem in der Arbeit mit internationalen Elterngruppen im Jugendamt in Stuttgart eingesetzt wird **. Dieses Thema wurde wiederum aufgegriffen und in dem Projekt umgesetzt.

Über 60 kurze Statements kamen in Armenien zusammen. Barbara Karsch-Chaïeb war wichtig, mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu treten und zu „kommunizieren“. Unterstützt wurde sie von den beiden Kuratorinnen, die englisch, französisch und armenisch sprechen, wenn Erklärungen oder Übersetzungen gewünscht wurden.

Schon bei der Übersetzung des Wortes fängt es ja an. Glück, wurde ihr gesagt, ist eng verbunden mit dem Wort Erfolg. Wer weiß, was die Menschen tatsächlich verstanden haben wollen, als sie gebeten wurden, ihre Gedanken zu Glück in einigen wenigen Sätzen auf eine Karteikarte zu notieren … Sie haben sich aber ernsthaft daran gemacht und zahlreiche Worte und Sätze aufgeschrieben. Die Karteikarten wurden nicht sofort übersetzt. Es sollte auf keinen Fall eine soziologische Arbeit entstehen und die Notizen mit den Aussagen in Stuttgart verglichen werden. Die Begegnung war zunächst einmal wichtig und nicht ein Ergebnis!
Ebenfalls sind die Menschen fotografisch porträtiert worden, jedenfalls die meisten, die die das gerne wollten!

Der Vortrag handelt von dem Projekt, von Armenien, von der Verständigung zwischen Menschen und von der Suche nach dem Glück …

*Im Herkunftswörterbuch findet sich unter dem Begriff „Glück“ unter anderem Heil und selig, aber auch Geschick (Schicksals(macht)); Zufall, günstiger Ausgang …
**Eine Mitarbeiterin vom Jugendamt: „Der Film ist ein guter Anstoß für Diskussionen über die eigene Situation und die anderer, er könnte aktuell wieder in der Flüchtlingsarbeit gezeigt werden ...“

Vortrag Freitag, 26. Februar 2016, 19.00 Uhr

Barbara Karsch-Chaïeb

HAYP POP UP Gallery



TRAIN OFFICE

Barbara Karsch-Chaïeb

“Glück” (English: luck, fortune, happiness) is a seemingly banal term, romantically idealised, tacky and emotional, completely unremarkable. But – is that really true? Don’t we all want to have happiness and good fortune? Don’t we all equate happiness and good fortune with love, pleasant feelings and possessions? What do we do when we think we are unfortunate or out of luck? Are we unhappy and dream of a better life!?

In 2015, Barbara Karsch-Chaïeb was Artist in Residence in Armenia/Yerevan with the organisation ACOSS. While there she had the opportunity to participate in the project IN MOTION initiated by two curators (Charlotte Poulain and Anna Gargarian) from the HAYP POP UP Gallery. The HAYP POP UP Gallery is a gallery/institution with no fixed location; they “try their luck” with the people they collaborate with.

This project took place over the space of four days in the train from Yerevan (the capital of Armenia) to Gyumri (the second largest city in Armenia) and back again from Gyumri to Yerevan (Project partner: South Caucasus Railway). Numerous artists participated with performances, installations, drawings, photographs and other activities.

Within the first few days of arriving in Yerevan, the artist was invited to participate in the project IN MOTION. She was reminded of an earlier work from 2010 for which she interviewed people on the streets of Stuttgart and asked: “What is the definition of happiness for you?” The result was a short film that, among other things, is used by the Youth Welfare Office in Stuttgart when working with international groups of parents**. The themes in this work were revisited and reworked for the new project.

Over 60 short statements were collected in Armenia. It was important to Barbara Karsch-Chaïeb to come into contact with the local people and communicate with them. The two curators, who speak English, French and Armenian, provided support whenever explanations or translations were required.

Difficulties already arose when translating the German word “Glück” (English: luck, fortune, happiness). The artist was told that “luck/fortune” is closely related to the word “success”. Who knows what the participants actually understood when asked to briefly note down their thoughts about “Glück” on an index card … but they earnestly got to work and wrote down numerous words and sentences. The index cards weren’t translated immediately. Under no circumstances did the artist want the work to become a sociological study or for the notes made in Armenia to be compared with the statements collected in Stuttgart. The encounters were of primary importance and not the result!
Additionally, a photograph was taken of each of the participants, at least most of them were more than happy to oblige!

The lecture will cover the project, Armenia, interpersonal communication and the quest for happiness …

*In the etymological dictionary the German term “Glück” is defined among other things as salvation and blessed, but also fate; coincidence, favourable outcome …
**An employer at Youth Welfare: “The film is a good impetus for discussions about their own situation and that of others, it could be shown again in the current situation when working with refugees …

Lecture Friday 26th February 2016, 7 pm

Barbara Karsch-Chaïeb

HAYP POP UP Gallery



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