Oberwelt e.V.
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Herta Müller

Performance von Susa Ramsthaler, aus ´Reisende auf einem Bein´ zitierend






Vortrag von Annik Aicher zu Kontext und Bedeutung von Werk und Autorin
"...Gefahr, ins Leere zu stürzen"

Herta Müllers "Reisende auf einem Bein"
Susa Ramsthaler (Performance) Annik Aicher (Vortrag)

(english) Im "anderen Land" hat Irene ein Baustellenschild gestohlen und über ihrem Bett aufgehängt. Auf dem Schild fällt ein Mann kopfüber in die Tiefe. Schon im "anderen Land", im Rumänien der Ceausescu-Ära, lebte Irene in einem Vakuum. Ihr Leben wurde aufgesogen von der Gefahr, nicht ins System zu passen, bespitzelt, verraten, gefoltert und eingesperrt zu werden.

Um nicht noch weiter in die Verzweiflung zu stürzen, reist Irene nach Berlin aus. Erfahrungen von kommunistischer Diktatur treffen auf kapitalistische Demokratie. Irene, die Frau vom Meer, die einer deutschsprachigen Minderheit angehört, war in ihrer Heimat fremd. In der deutschen Großstadt ist sie es auch. Mit einer immer größer werdenden Collage aus Zeitungsbildern versucht Irene, die verwirrenden Alltagserlebnisse zu fassen.
Können ihr die Beziehungen zu drei ganz unterschiedlichen Männern Nähe und Wärme geben?

1989, im Jahr des Mauerfalls, schrieb Herta Müller die autobiografisch gefärbte Erzählung. Heute, da Millionen von Menschen vor zerstörerischen Regimen auf der Flucht sind und demokratisch gewählte Staatsoberhäupter sich in Despoten verwandeln, ist Irenes Geschichte beklemmend aktuell.

Mittwoch, 10. Mai 2017, 19:30 Uhr

Wie bisher bei der Reihe Reflexe folgt auf den Abend mit Vortrag und Lesung die Ausstellung. Oberwelt e.V. lädt dazu Künstler/innen ein, sich mit Herta Müllers `Reisende auf einem Bein` gestalterisch auseinanderzusetzen.
Das Wort "Reflexe" steht dabei für einen Vorgang der Widerspiegelung, der weniger illustrativ als deutend ist.
Wenn Lesen generell imaginierende "Arbeit am Text" ist, so zeigt die daraus entstehende künstlerische "Arbeit" dies in besonderer Weise. In ihrer Anschaulichkeit wird der Prozess der Durcharbeitung sichtbar, in dem sich das literarische Werk gestalterisch individualisiert.
Ausstellung 14. Juli bis 16. September 2017

Anmeldeformular und weitere Informationen:
Ausschreibungstext_Reflexe_H_Mueller.pdf
Anmeldeformular_Reflexe_H_Mueller.pdf
Anmeldeformular_Reflexe_H_Mueller.doc



"...The Risk of Tumbling into Emptiness"
Herta Müller's 'Traveling on One Leg‘

Susa Ramsthaler (performance) Annik Aicher (lecture)
Wednesday 10th May 2017, 7:30 pm

In the “other country” Irene stole a construction site sign and hung it over her bed. On the sign a man is falling headfirst into the abyss. Already in the “other country”, Romania of the Ceausescu era, Irene lived in a vacuum. She was absorbed with the dangers of not fitting into the system, of being spied on, betrayed, tortured and imprisoned.

In order to avoid plunging further into despair, Irene travels to Berlin. Experiences of the communist dictatorship encounter capitalist democracy. Irene, the woman from the sea, who belongs to a German-speaking minority, was a foreigner in her homeland – as she is once more in the German metropolis. With an ever-growing collage of newspaper images, Irene attempts to grasp her bewildering everyday experiences. Can her relationships to three very different men give her closeness and warmth?

Herta Müller wrote the autobiographical narrative in 1989, the year that the Berlin Wall fell. Today, an era, in which millions of people are fleeing from destructive regimes and democratically elected heads of state are changing into despots, Irene’s story is oppressively topical.

As always in the “Reflexes” series, the lecture and reading evening will be followed by an exhibition. Oberwelt e.V. invites artists to examine Herta Müller’s “Traveling on One Leg” on an artistic level.
The word “reflexes” describes a process of reflection that is not so much illustrative as interpretative. Generally speaking, if reading is imaginative ‘text work’, then ‘artistic work’ that is developed in response to it reflects this in a particular way. Through visualisation of a literary work, both the working and analytical processes in which the work is artistically individualised are made visible.

Exhibition 14th July till 16th September 2017

Further information on the call can be found in the following files:
Submission_Reflexe_H_Mueller.pdf
Submission_Reflexe_H_Mueller.doc



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