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Rathenow 2005

Von 14.  bis 16.  Oktober 2005 war der Klon im brandenburgischen Rathenow , zu Gast auf den Ersten Filmtagen Havelland , im "kleinen Clubraum" des dortigen Kulturhauses. Das Grundgerüst des Klons - eine Lattenkonstruktion mit Malerfolie als Aussenwänden - wurde von den Veranstaltern bereits im Vorfeld nach unseren Angaben aufgebaut. Zudem entstanden vor Ort ein edel furnierter World-Brett-Klon, ein Schrank-Klon aus Umzugskartons und eine lehnenlose Kunstledercouch (Typ "Sigmund Freud"), die sich ideal als flexible Elemente zum Nachstellen des Öltankers der Smoker, der "Deace", verwenden ließen. Die Veranstalter ermöglichten uns zwei ausgedehnte Drehtage mit über 20 neuen konzentrierten Darstellern. Aus Stuttgart gab es eine Auswahl geklonter Details aus dem "Original"-Klon, soweit sie sich zu Fuss und per Bahn schleppen ließen.


In october 2005 the clone was guest in Rathenow, Brandenburg, on the First Filmfestival Havelland
The basic construction was done in advance by our hosts and many great details guaranteed two
shooting days in a concentrated atmosphere with more than 20 new actors.english translation of interview here
Auszüge aus Interview mit Winfried Gerling, Professor für Konzeption und Ästhetik der neuen Medien im Studiengang Europäische Medienwissenschaft an der Fachhochschule Potsdam und einer der Initiatoren von "08/16 - Filmtage Havelland", sowie zuständig für die Filmauswahl des Programmblocks "Remakes" Interview: Silke Hennig. Abgedruckt im Festivalkatalog

Frage: "(...)"Remakes". Was hat es damit auf sich?"
Winfried Gerling: "(...) Remake ist schon fast ein falscher Begriff. "Remake" heißt ja eigentlich immer das Nachdrehen eines Filmes, den es schon gegeben hat (...) Aber darüber hinaus gibt´s im Amateurfilm eben auch das Nachahmen einer Geste, das Nachmachen des Regisseurseins sozusagen, des Hauptdarstellerseins, des Produzentenseins - und das aber auch mit einer großen Ernsthaftigkeit. Das ist im Grunde mein persönlicher Anknüpfungspunkt."
Frage: "Also spiegelt denn der Amateurfilm, insbesondere das Remake, das professionelle Filmschaffen - oder in welchem Verhältnis stehen die beiden zueinander?"
"(...)insofern, als der Amateur das professionelle Filmschaffen in jeder Weise imitiert oder vielleicht sogar übertreffen will, weil er meint, dass er z.B. werkgetreuer sein kann als jemand, der vielleicht in kommerziellen Zusammenhängen Spielfilme produziert. Da kann ich vielleicht näher auf ein Projekt eingehen, das im Rahmen des Festivals gezeigt wird, und zwar Wotørwoerld aus Stuttgart. Die Betreiber sind Künstler, die einen Klub gegründet haben und sich einmal in der Woche dort treffen, um den Film "Waterworld" nachzudrehen. Sie drehen in einem kleinen acht oder zehn Quadratmeter großen Raum und sind nicht im eigentlichen Sinn Amateure, aber sie betreiben diesen Gestus des Amateurs professionell auf der Ebene des Künstlers. Das ist also noch einmal eine komplizierte Wendung des Amateurs, der ja vielleicht im Künstler auch immer ein bisschen drin steckt. Ich finde, gerade dieses Projekt ist extrem spannend, weil es zwar eins zu eins den Ton des Originals adaptiert, das Ganze aber auf der anderen Seite wirklich in sehr, sehr gebastelter Umgebung stattfindet, die irgendwie mit ganz einfachen Hilfsmitteln nachgebaut wird. Dieser Film hat inzwischen etwa 150 Darsteller, weil jede Woche jemand anderes mitspielt, aber es gibt auch so eine gewisse Kontinuität in dem Film. Dieses Projekt ist noch mal auf eine andere Weise eine Reflektion dieses Themas. (...)

(...)Der Film "Wotørwoerld" heißt eben "Wotørwoerld" und nicht "Waterworld". Ich weiß nicht, ob die Macher das aus rechtlichen Gründen gemacht haben oder nicht, denn die Rechte-Frage spielt natürlich tatsächlich auch immer eine Rolle bei diesen Remakes.
Da trifft man sich also seit ungefähr zehn Jahren in Stuttgart immer an einem bestimmten Tag in der Woche in einem kleinen Klub, das heißt in einem Raum, der ungefähr 4,5 x 2,5 m groß ist, und man sitzt dann da in einem Ambiente, das ein bisschen aussieht wie so ein typischer Berlin-Mitte-Wohnzimmer-Klub oder eine Art Wohnzimmerkneipe. (...)
Der Film wird dort zum Originalton gedreht und inszeniert. Es werden also die Rollen übernommen, aber es werden auch kleine "Animationselemente" eingebaut. Dort wird mit wirklich einfachsten gebastelten Mitteln gearbeitet, beispielsweise hängt eine Sonne an der Angel und wackelt durchs Bild oder kleine Boote werden mit Tesakrepp und Plastikflaschen gebastelt und fahren dann auf Plastikfolie - wie bei der Augsburger Puppenkiste - übers Wasser. Das ist irgendwie auch großartiges jungenhaftes Nachmachen und natürlich auch ein Neu- und Uminterpretieren. Kevin Costner ist in dem Film ja eigentlich auch wie so ein großer Junge mit unglaublichem Abenteuer-Ideenreichtum, der aber auch irgendwie völlig verblendet diesen Wahnsinnsflop nicht in den Sand, sondern ins Wasser setzt. Das Sympathische in diesem riesigen Scheitern will das Projekt, glaube ich, auch irgendwie nachvollziehen.
Der Film ist wahrscheinlich eine Zumutung, wenn er fertig ist, aber das, was ich bisher gesehen habe, ist unglaublich komisch und teilweise sehr interessant anzusehen. Ich weiß nicht, ob man das wirklich zwei Stunden gucken möchte, aber ich weiß auch nicht, ob man das Original zwei Stunden sehen wollte.

Das Interessante an diesem Projekt ist darüber hinaus, dass die Betreiber einen sogenannten Klon ihres Klubraums mitbringen, wenn sie den Film außerhalb von Stuttgart zeigen. So wird dann vor Ort quasi eine weitere Episode gedreht. Inzwischen sind ungefähr 70 Minuten fertig. Die Gesamtlänge des Originalfilms ist auf jeden Fall über zwei Stunden - da haben die noch ein bisschen zu tun. Der Dreh läuft jetzt seit zweieinhalb Jahren, und das ist vielleicht auch was sehr Wesentliches, dieses Nichtfertigwerden, der Prozess des Machens. Das ist hier von Anfang an mitgedacht, dass es natürlich ewig dauert, bis der Film fertig wird, wenn man nur einmal in der Woche abends weiterdreht. (...)

English translation: Extracts from an interview with Winfried Gerling, Professor for Conception and Aesthetics of New Media in the course European Media Studies at the Fachhochschule Potsdam, and one of the initiators of “08/16 – Filmtage Havelland” (Havelland Film Festival), where he is responsible for the film selection for the programme block “Remakes”. Interview: Silke Hennig. Printed in the festival catalogue.
Question: “(…) “Remakes”. What is this supposed to mean?
Winfried Gerling: “(…) Remake is almost a false term. “Remake” actually always means the refilming of a film which already exists (…) But alongside this we find something in amateur film-making which is the imitation of a gesture, the re-creation of being a director as it were, of being a leading actor, of being a producer – and doing this with great seriousness. That is essentially my personal point of connection.
Question: “So the amateur film, in particular the Remake, is a reflection of professional film-making – or what relation do the two have to each other?”
“(…) in that the amateur wants to in every way imitate or maybe even surpass professional film-making because he thinks that he can, for example, be more true to his work than someone that maybe produces films in a commercial context. Maybe I can here look more closely at one project that will be shown in the festival which is Wotørwoerld from Stuttgart. The makers are artists who have founded a club and who meet there every week to refilm the film “Waterworld”. They film in a small eight or ten square metre space and are not in the real sense amateurs but practise the gesture of amateurism professionally on the level of the artist. So this is again a complicated twist on the concept of the amateur, who, to some extent, can probably always be found in the artist. I find this project in particular extremely exciting, because although it adapts the sound of the original one to one, the whole thing takes place on the other hand in very, very provisional surroundings, that are somehow recreated with very simple means. Up to now, the film has about 150 actors because somebody new takes part every week, but this also gives the film a certain sense of continuity. This project is again a reflection of this theme in another way.(…)
(…) after all, the Film "Wotørwoerld" is called "Wotørwoerld" and not "Waterworld". I don’t know if the makers did that for legal reasons or not, as legal questions of course really do always play a part in remakes.
So for about the last ten years you’ve been meeting up one day a week in Stuttgart in a club, well actually a room, which is approximately 4.5 x 2.5 m in size, and you sit there in an atmosphere that looks a bit like a typical lounge club in Berlin Mitte or a kind of bar in a living room. (…)
The film is staged and filmed to the original sound. The roles are then adopted but there are also small “animation elements” built in. The most simple and provisional means are used, for example, a sun hangs from a fishing line and wobbles through the scene or small boats are built with masking tape and plastic bottles and sail on plastic film – like in the Augsburger Puppet Theatre – over the water. It’s somehow both a fantastic puerile imitation and also of course a new and re-interpretation. Kevin Costner is actually in the film like some kind of big boy with an incredible idea for an adventure, but who somehow gets completely blinded, and instead of setting this insane flop in the sand he sets it on the water. I think it’s the endearing aspect of this huge failure which this project wants to convey.
The film will probably be an imposition on the viewer when it’s finished, but what I’ve seen up to now is incredibly funny and sometimes extremely interesting to watch. I don’t know if you would really want to watch it for two hours, but I also don’t know if you would want to watch the original for two hours.
What’s also interesting in this project is that the organisers bring a so-called clone of their club room when they show the film outside Stuttgart. In this way a further episode is then quasi filmed on site. About 70 minutes are finished up to now. The total length of the original film has to be over two hours – they’ve still got a bit to do. The filming has been going on for the last two and a half years, and that is also maybe something fundamental to the project, this never being finished, the process of making. This factor was taken into account from the beginning, that it would of course take ages before the film would be finished when you only shoot one evening a week. (…)
Bild 1: Kulturhaus mit Wotørwoerld-Motto
Bild 2: Hotel Tivoli
Bild 3 und 4: Klon im kleinen Klubraum
Bild 5 bis 7: Drehs des Sprungs von der Deace
Bild 8: Winfried Gerling als Deacon
Bild 9: Unsre Gastgeber
Bild 10: Aufgang zum kleinen Klubraum


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Letzte Änderung: 05/03/2020 01:52:56 PM